Partys, Preise, Probleme: Trauer um Gunter Sachs

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08.05.2011

78 Jahre voller Kunst, Leidenschaft, Partys, Geld, wahrer Liebe - und Depressionen. Der " letzte Playboy" Gunter Sachs beging am Samstag Selbstmord.

"Der letzte Playboy" nennt ihn der Stern; "lebensfroh, charmant, erfolgreich." Ein "von Champagner umspültes Leben" schreibt ihm die Zeit zu. Am Samstag aber erschoss sich Gunter Sachs im Alter von 78 Jahren in seinem Anwesen in Gstaad.

Geboren wurde Fritz Gunter Sachs am 14. November 1932 auf Schloss Mainberg in Franken. Er war der Erbe der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs, heute ZF Sachs, sowie der Urenkel Adam Opels, des Opel-Gründers. Allein diese Aspekte sollten ihm vor einem wirtschaftlichen Hintergrund die perfekten Voraussetzungen für sein später so wildes Leben bieten. Derselben Branche folgen würde Sachs aber nicht: In ihm zeichnete sich schon früh der Künstler, Kunstsammler und Foto-
graf ab. Letzteres perfektionierte er bereits, während er in Lausanne Mathematik studierte. In den 1960er und 70er Jahren produzierte er sechs mehrfach ausge-
zeichnete Dokumentarfilme; im Jahr 1991 entsprang beispielsweise der Bildband "Heldinnen", mit Topmodel Claudia Schiffer, seiner Feder, oder vielmehr seinem Objektiv. Diese künstlerische Leidenschaft sollte ihn bis zuletzt begleiten - erst 2009 wurden seine Fotografien noch im Tsaritsyno-Palast in Moskau ausgestellt.

Doch die Kunst sollte nicht seine einzige Leidenschaft bleiben: Partys, Partys, Partys. "Gunter Sachs hat alles gehabt", beschreibt es die Zeit. Diese Sorglosigkeit und Freiheit, die zunächst finanziell herrührte, worum ihn viele beneideten, spiegelte den Charakter von Sachs' Feierlichkeiten wieder. Partys in St. Tropez und St. Moritz; Romy Schneider und Jean-Paul Belmondo an seiner Seite - ebenso wie viele schöne Frauen. Den "Playboy" spielte er gern. Für ihn waren dies dem Stern zufolge junge, anziehende Männer, "die wussten, wie man Feste feiert und mit schönen Frauen parlieren" konnte. Eine Phase, die jedoch nur acht Jahre gedauert habe, wie Sachs einst gesagt haben soll - nämlich bis zu seiner dritten Hochzeit.

Drei Ehen, drei Söhne

1955 heiratete Gunter Sachs seine erste Frau Anne-Marie Faure, die ihm im selben Jahr Sohn Rolf schenkte. Drei Jahre später jedoch kam seine Frau infolge eines Verkehrsunfalls ums Leben. Die zweite Ehe, die nur drei Jahre halten sollte, schloss Sachs 1966 mit Sex-Symbol Brigitte Bardot - eine tiefe Freundschaft und Vertrautheit verband Bardot und Sachs dennoch bis zuletzt. Alle guten Dinge sind schließlich drei: So heiratete Sachs im Jahr 1969 kurz nach der Scheidung von Bardot das ehemalige schwedische Fotomodell Mirja Larsson, die bis zu seiner letzten Stunde an seiner Seite war. Mit ihr bekam Sachs die Söhne Christian Gunnar, geboren 1971, sowie Claus Alexander Halifax, geboren 1982.

Die traurigen Bilder seiner Kindheit

Hinter der glänzenden Fassade verbarg sich ein trauriges Familienschicksal. Sein Biograf Wilfried Rott enthüllte zum Missfallen Sachs', wie die Nazi-Zugehörigkeit des Vaters das Leben der gesamten Familie zu zerstören drohte. Sachs' Mutter Elinor von Opel trennte sich von ihrem Mann und ging mit ihren Kindern in die Schweiz. Der Vater plante daraufhin mithilfe von Partei- und Staatsführung die Entführung von Gunter und seinem Bruder nach Deutschland, die allerdings scheiterte - ebenso wie die Bestrebungen des Außenministeriums, sich die Kinder zu eigen zu machen. Gunter Sachs selbst nahm später die schweizerische Staatsbürgerschaft an; im Jahr 1987 verkaufte er die ihm vom Vater vererbte Firma. Letzterer hatte sich im Jahr 1958 das Leben genommen.

Nun wählte auch Gunter Sachs den Freitod. Noch ehe die Familie seinen Tod bestätigte, tat dies ein Sekretär seiner zweiten Frau Brigitte Bardot.

"Die auswegslose Krankheit A."

Der einstige Lebemann, von dem Vertraute sagen, er habe unter Depressionen gelitten, hinterließ einen öffentlichen Abschiedsbrief. Nach diesem glaubte Sachs, an einer Krankheit erkrankt zu sein, von der es keine Heilung gebe: "In den letzten Monaten habe ich durch die Lektüre einschlägiger Publikationen erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. [...] Ich stelle dies heute noch in keiner Weise durch ein Fehlen oder einen Rückgang meines logischen Denkens fest - jedoch an einer wachsenden Vergesslichkeit wie auch an der rapiden Verschlechterung meines Gedächtnisses und dem meiner Bildung entsprechenden Sprachschatzes. Dies führt schon jetzt zu gelegentlichen Verzögerungen in Konversationen." Umstände, die für Sachs nur einen Entschluss zuließen: "Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen. [...] Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten."

In den letzten Zeilen seines Briefes nimmt Sachs Abschied von jenen, mit denen er das teilte, für dessen Art es zu führen er berühmt war: Sein Leben. "Ich danke meiner lieben Ehefrau und meiner engsten Familie sowie meinen in tiefer Freund-
schaft verbundenen Weggefährten, mein Leben wundervoll bereichert zu haben."

(nm)
1
Kommentar insgesamt

Armine
11.05.2011 10:45
Gast
Lebemann Gunter Sachs tot!

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