Online-Selbsthilfe in Internetforen

City- & Szenenews

City- & Szenenews
Notruf: Bleibt im Web nicht unbeantwortet (Foto: aboutpixel.de, Daniel Werner)
04.04.2011

Immer mehr Menschen suchen bei gesundheitlichen oder sozialen Problemen nicht zuerst den Experten auf. Die Hilfe im Web von User zu User, von Betroffenem zu Betroffenem ist immer gefragter. Mit der Unterstützung von Experten kann das gut funktionieren.


Online-Foren erleben speziell als Gesundheits- und Sozialratgeber im Web einen nie gesehenen Boom. Sie sind die Top-Anlaufstelle und praktische Quelle für Rat und Unterstützung, wenn Menschen in schweren Lebenslagen auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Anteilnahme und gegenseitige Beratungsleistung unter den Usern ist enorm, wie ein neues Forschungslabor der Fachhochschule St. Pölten aufzeigt. Sozialarbeiter könnten darin aber noch mehr wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Bei den Forenbetreibern besteht zusätzlicher Bedarf an Entwicklungsarbeit.

"Die Anbieter können noch Feinjustierungen vornehmen", erklärt Projektleiterin und FH-Professorin Manuela Brandstetter im Gespräch mit pressetext. Mit dem Einsatz von Sozialarbeitern im Cyberspace ist etwa eine intensivere Online-Beratung möglich. Sie können helfende User in ihrem Engagement fördern oder die Internet-Foren selbst beraten. Grundlegend ist denkbar, Menschen eingangs im Web selbst dabei zu unterstützen, sich online zurechtzufinden, um Hilfe überhaupt erst finden zu können. So ist vielen der Zugang zum Internet wegen struktureller Gegebenheiten nach wie vor verwehrt.

Aus eigener Erfahrung

Gerade Anti-Gewalt- und Frauenforen tendieren im Web häufig zu professioneller Hilfe. Eine reine Beratung durch Sozialarbeiter ist bei den Usern meist aber unerwünscht. "Die Selbsthilfe in den Foren ist groß", sagt Brandstetter. Hier muss nicht nur die Identität der Anwender anonym bleiben. Zudem wollen sie von gleichermaßen Betroffenen beraten werden, die bereits Erfahrung in heiklen Fragen vorweisen können, "und nicht von den Experten", erläutert Brandstetter. Diese sind hingegen dafür zuständig, die notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und weiter zu entwickeln.

Bei den gegenseitigen Hilfeleistungen kommen die Foren-User in der Regel ohne Sozialarbeiter aus. Ihre Interaktion im Web folgt eigenen Spielregeln. Dazu zählt etwa, dass Hilfeansuchen nicht unkommentiert gelassen werden. "Das Ignorieren eines Hilferufs würde einer Verletzung der sozialen Normen gleichkommen", heißt es. Die Hilfeleistung durch die Nutzer hängt schließlich auch mit einem Gewinn an sozialer Anerkennung und sozialem Status zusammen. Viele Helfer stellen damit ihre Fähigkeiten unter Beweis. An erster Stelle des User-Engagements steht aber, andere bei der Problemlösung zu unterstützen.

(pte/pb)

4
Kommentare insgesamt

Peggy M.
05.04.2011 10:43
Gast
Es kommt darauf an worum es geht !

Man kann nicht bei allen Themen diese Hilfe im I-net bevorzugen, sondern brauch professionelle Hilfe, z.B. vom Psychologen.
Im I-net kann man zu schnell mit seinen Problemen an die falschen Personen geraten und daher sage ich, das man lieber mit seinen Problemen zu den Leuten mit anerkannter Ausbildung sich wenden.

MichBeck
05.04.2011 11:32
Moderator
solange der Gang zum Arzt 10 € kostet ohne das man die gewissheit hat, das die Jungs in weiss sich überhaupt kümmern, ist der Trend nicht verwunderlich...

Aspergo a.
05.04.2011 15:21
Gast
Bei psychischen Problemen ist die online Behandlung meines erachtens noch mit einer der besten und ist hilfreicher als die professionelle Behandlung eines ausgebildeten Schulmediziners der heutzutage kaum ausreichend Zeit hat sich wirklich intensiv mit den verschiedenen Störungstypen zu befassen und aus diesen Grund gerne mal schnell zu Medikamten greift die die Ursache vorübergehend nur betäuben oder ausblenden lassen.
Im härtefall sollte dann allerdings doch eben auf diese Ärzte zurückgegriffen werden.

Professor A.
06.04.2011 03:16
Gast
Ich spreche meine sozialen Probleme selten im Internet an, es sei denn, das sind Lappalien. Und wenn es um Krankheiten geht, suche ich immer meinen Arzt auf - weil ich mir bei dem sicher sein kann, dass er Ahnung hat (naja okay, der erste Arzt hier in Evershagen hat mich fast verrecken lassen, aber generell haben die Leute, die so einen Beruf ausüben, schon Ahnung^^).

Ich bin selbst in einigen "Sozialforen" unterwegs und schreibe dort mit Leuten, allerdings hängt vom Erfolg auch viel davon ab, wie eingespielt so ein Forenteam ist. Oft genug gibt es ratsuchende Menschen, die einfach mal ein wenig Trost haben wollen und dann von recht ruppigen Trollen verbal eins mitten in die Fresse bekommen. Ein gutes Team lässt solche Leute schnell von der Bildfläche verschwinden, ein schlechtes Team kümmert sich da eher weniger drum.

Schlechtes Beispiel ist z.B. das Domianforum. Viele Leute denken wohl, dass das Forum direkt zur Sendung gehört, das ist aber in privater Hand. Daher schreiben viele dort auch rein, wenn sie Probleme haben und es wird häufig auch sehr detailreich - schade, dass dann sehr oft beleidigende Äußerungen gemacht werden und das Team sich eher mittelmäßig drum kümmert.

Man sollte dem öffentlichen Meinungsaustausch daher doch etwas vorsichtiger entgegentreten.
Hinweis-Icon
Bitte melde dich an, um Kommentare hinzuzufügen.
weitere Nachrichten aus der Kategorie „City- & Szenenews“:
Immer noch keinen Partner gefunden? Am 01. November veranstaltet das Singleportal MV-Spion.de zusammen mit der Firma BM Event das größte Flirt- und Singleevent "La Boum" in Rostock. Dafür wird die Allround Arena Rostock in eine gigantische Single Arena umgewandelt. » mehr lesen
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen. » mehr lesen