Freund und Helfer?

City- & Szenenews

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© Andrea Seemann
24.09.2011

Im negativen Fokus der Aufmerksamkeit: Verantwortungsloses Verhalten, Diebstähle und brutale Angriffe stellen derzeit die eigentliche Rolle der Polizei in Frage.

Negativschlagzeilen bezüglich der Polizei scheinen sich in der letzten Zeit zu häufen, sodass das eigentliche Attribut des Polizeibeamten, das des Freund und Helfers, deutlich in den Hintergrund gerät. Mitunter berichtet die Freie Presse nun von einem Ermittlungsverfahren aufgrund einer Anzeige wegen Aussetzung - gegen zwei Poli-
zisten. Im August dieses Jahres sollen zwei Beamte des Polizeireviers Auerbach eine junge Frau mitten in der Nacht in einem Wald ausgesetzt haben, obgleich diese in einem, wie das Blatt es bezeichnet, "höchst bedenklichen Zustand" gewesen sein soll.

Im Krankenhaus hatte sich die Frau zuvor so vehement gegen eine Behandlung gewehrt, dass der Arzt es als einzige Möglichkeit erachtete, sie des Hauses zu ver-
weisen - mithilfe der Polizei. Diese führten sie in Handschellen ins Polizeiauto. Allerdings wurde die junge Frau nicht nach Hause, sondern in besagtes Waldgebiet gebracht, wo sie allein zurückgelassen wurde. Während sie im Dunkeln und bei Gewitter durch den Wald irrte, habe sie sich durch Stürze vielerlei Verletzungen zugezogen, wie es ein Vertrauter dem Blatt mitteilte. An einer Straße habe sie schließlich ein Autofahrer aufgelesen und zum Auerbacher Revier gefahren. Die Frau erstattete daraufhin Anzeige gegen die Beamtin, die sie als "treibende Kraft" in ihrem Fall bezeichnet.

Jan Meinel, Pressesprecher der Polizeidirektion Südwestsachsen, bestätigte infolgedessen, dass gegen die 35-jährige Beamtin und ihren 36-jährigen Kollegen im Hintergrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zudem ein Disziplinar-
verfahren läuft. Wie man intern weiter mit den Polizisten verfahren wird, werde nach dem Ergebnis entschieden.

"Sie hätten daran denken müssen, dass ihm etwas zustößt"

Einen ähnlichen Vorfall, jedoch mit tödlichem Ausgang, ereignete sich im Dezember des Jahres 2002, von dem die Süddeutsche berichtete. Hier handelte es sich um zwei Polizisten, die einen 18-jährigen "betrunken und hilflos" auf einer Landstraße bei Lübeck ausgesetzt hatten - woraufhin dieser eine Stunde später überfahren wurde.

Zuvor hatten die Beamten den Gymnasiasten in Groß Weeden, Kreis Herzogtum Lauenburg, aufgelesen, da dieser nach dem Besuch einer Disco Anwohner belästigt hatte. Allerdings brachten die Beamten den Betrunkenen nicht zu seinen Eltern nach Lübeck, nahmen ihn ebenso wenig mit auf die Wache und riefen ebenso wenig einen Rettungsdienst: Sie hätten ihn dem Blatt zufolge 8,5 Kilometer von Lübeck und 11 Kilometer von der Disco entfernt in der ländlichen Gegend sich selbst überlassen, wie das Gericht später feststellte.

Für diese Handlung wurden die Polizisten, damals 57 und 45 Jahre alt, im Mai 2007 zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zudem mussten sie jeweils 1000 Euro an einen Rettungsdienst zahlen. Die schwerwiegende Des-
orientierung und Verwirrtheit des jungen Mannes hätten sie laut dem Vorsitzenden Richter Christian Singelmann bemerken müssen - sie hätten "daran denken müssen, dass ihm etwas zustößt bis hin zum Überfahren auf der schnurgeraden Straße"; sie hätten erkennen müssen, dass er, der nach Aussagen des Gerichts-
mediziners knapp zwei Promille Alkohol im Blut hatte, "allein auf der Landstraße zu Fuß keine Chance hatte."

Genau das hätten die Beamten allerdings nicht erkannt - das nahm die Kammer zugunsten der Beamten an. Damit entfalle der Anklagevorwurf der Aussetzung. Der Behauptung der Beamten, der junge Mann habe darum gebeten abgesetzt zu werden, weil er sich vor den Nachbarn geschämt habe, maß das Gericht dem-
gegenüber keine Glaubwürdigkeit bei. Die Polizisten sprachen erst im Prozess eine Entschuldigung aus - welche die Eltern des Opfers, die den Prozess erzwungen hatten, nicht akzeptierten. "Unser Sohn würde noch leben, wenn sie sich richtig verhalten hätten", sagte der Vater des jungen Mannes. Die Unfallfahrerin wurde Anfang 2006 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Als Zeugin konnte sie jedoch nicht auftreten: Kurz vor dem Auftakt des Prozesses kostete sie ein Autounfall das Leben.

Mit dem Kopf gegen die Wand

Jetzt erstattete überdies eine Mutter Anzeige wegen Körperverletzung - gegen einen leitenden Polizeibeamten. Dieser habe ihren Sohn, in Handschellen gefesselt, am Kragen und an den Haaren gepackt und seinen Kopf gegen die Wand geschlagen - "mindestens fünf Mal", berichtet die Mutter laut Merkur Online. "Es ist eine unglaub-
liche Geschichte. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich meinem Sohn das niemals glauben." Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ober-
bayern
bestätigte den Eingang der Anzeige sowie die Tatsache, dass sowohl die Staatsanwaltschaft Traunstein, als auch Beamte der Miesbacher Polizei ermitteln.

3. September, 22 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt planten sich die Mutter sowie sechs weitere Zeugen mit dem dem 15-jährigen am Glückshafen vor der Wiesn-Wache zu treffen. Kurz zuvor ereignete sich in der Nähe allerdings eine Keilerei zwischen einem 25 Jahre alten Mann und drei Minderjährigen, darunter der 15-jährige. Der ältere Mann soll zunächst gepöbelt und den Jungen dann geschubst haben, worauf-
hin ein Freund ersterem ins Gesicht schlug. Sofort überwältigte ein uniformierter Polizist den 15-jährigen, legte ihm, auf den Boden gedrückt, Handschellen an - obgleich der 25-jährige augenblicklich bemerkt haben soll, dass es sich bei dem Jungen nicht um den Schläger handle. Trotz dessen führte der Beamte den Jungen unter Tritten in die Wache. Zu diesem Zeitpunkt sei er der Mutter zufolge völlig unverletzt gewesen, was sowohl die sechs weiteren Zeugen, als auch andere Polizisten gesehen hätten.

Zunächst wurde der Mutter der Zutritt zur Wache verwehrt; als sie jedoch Schmerzensschreie vernahm und sich Zutritt verschaffte, habe sie gesehen, wie der Polizist ihren Sohn gegen die Wand schlug. "Ich hab geschrien, ein paar Sekunden später hat er endlich aufgehört", berichtet die Mutter. Die Auskunft über Namen und Dienstnummer des Beamten wurde ihr verweigert, bis ihr um 23:30 Uhr ein anderer Beamter einen Zettel mit jenen Informationen zukommen ließ. Trotz seiner Ver-
letzungen wurde ihr Sohn bis zu diesem Zeitpunkt in Handschellen festgehalten; zunächst auf der Wache, anschließend im nahegelegenen Präsidiumsgebäude - aufgrund von Beamtenbeleidigung. Das gestehen sowohl Mutter, als auch Sohn, der 1,1 Promille im Blut hatte, ein: "Aber erst, nachdem er so schwer misshandelt wurde."

Erst um Mitternacht herum wurden die Platzwunden in der Klinik genäht. Ein Schneidezahn ist abgebrochen und steht schief; viele der oberen und unteren Zähne sind nach Aussage eines Zahnarztes locker. Um diese zu retten, muss der Junge, fortan krankgeschrieben, eine Schiene tragen. Ihr Sohn habe noch nie etwas angestellt oder Ärger mit der Polizei gehabt, beteuert die Mutter, die sich nun einen Anwalt nahm. Erst kürzlich hatte eine weitere Familie schwere Vorwürfe gegen die Rosenheimer Polizei erhoben, da diese bei einem zivilen Einsatz unschuldige Personen verletzt haben sollen.

Straftat bei der Untersuchung einer Straftat

In Berlin ermittelt die Kriminalpolizei einer Pressemeldung zufolge zudem gegen einen Kollegen - aufgrund des Verdachts des Diebstahls. Vergangenen Dienstag nahm der Beamte mit weiteren Polizisten an einer richterlich angeordneten Durchsuchung wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz teil. Am Ende dieser Maßnahme beschwerte sich der in diesem Fall Beschuldigte, dass man ihm Geld gestohlen habe. Der Teamführer zog daraufhin Beamte einer anderen Dienststelle hinzu, um den Vorwurf zu unter- und die anderen Polizisten zu durchsuchen. Das Ergebnis: Ein Beamter gestand die Tat augenblicklich, legte das zuvor gestohlene Geld vor.

Der Polizist wurde von der weiteren Dienstausübung entbunden; über dienstliche Konsequenzen wird noch entschieden.

(nm)
43
Kommentare insgesamt

Timborin Maaaan
24.09.2011 13:22
reg. Mitglied
Ganz große Klasse! Alle Achtung vor der Leistung der Polizei.

.....wo isn eigentlich Batman wenn man den mal braucht......

Steffen O.
24.09.2011 13:55
Gast
Zumindest in den letzten beiden Abschnitten des Artikels kann man lesen, dass Polizisten auch vernünftig in solchen Situationen handeln.

"...bis ihr um 23:30 Uhr ein anderer Beamter einen Zettel mit jenen Informationen zukommen ließ."

"Der Teamführer zog daraufhin Beamte einer anderen Dienststelle hinzu, um den Vorwurf zu unter- und die anderen Polizisten zu durchsuchen."

Leider werden diese Leute oft genug als Nestbeschmutzer betrachtet, obwohl sie moralisch und rechtlich einwandfrei handeln

Polizisten sind auch nur Menschen und machen auch Fehler, aber im Dienst dürfen Polizisten solche menschlichen Fehler einfach nicht passieren!

Lapeno E.
24.09.2011 14:39
Gast
Und wieder mal ein typisch schlecht bis überhaupt nicht recherchierter Artikel der wieder mal versucht gegen die Polizei, die mittlerweile nur noch ein Spielball der Politik ist, zu agitieren.

Als Polizist muss man sich alles nur erdenkliche bieten lassen. Kinder, die einen bedrohen, betrunkene Randalierer und Dauerbesserwisser, die einen über die eigene Arbeit belehren wollen, dies aber mangels Sachkenntnissen überhaupt nicht können und einen so absichtlich bei der Ausübung seiner Pflicht behindern.

Von der Politik kommen dann so sinnvolle Verbesserungen, wie die Herabsetzung der Anforderungen an Bewerber, ständige Einsparungen bei Personal und Ausrüstung und ähnliches.

Es fällt sehr auf, dass Artikel, welche mit dem Kürzel "(nm)" enden sehr häufig einseitig sind. Es wird versucht diffuse Ängste zu schüren, bewertet statt berichtet und fleißig agitiert.

Zu den jeweils genannten (oder doch erfundenen Fällen), wo in 2 Fällen die Täter zu Opfern gemacht werden, hätte man vielleicht doch mal die Polizeiberichte lesen sollen. Aber dann hätte man die Polizisten ja nicht mehr als die bösen darstellen können.

Hergal D.
24.09.2011 14:59
reg. Mitglied
ach komm die polizei denkt doch seber sie sind die helden wie often würden meine rechte als "freier" bürger eingeschrenkt wie oft wurde ich schikaniert und wenn man es zu anzeige brinen will wird man ausgelacht und weg geschickt die polizei ist ein korrupter haufen so sieht es aus.

ich hab kein mitleid mit denen genausowenig wie die mitleid haben mit ihren opfern.

Adinuf
24.09.2011 15:54
reg. Mitglied
Joa da kann ich nur hinzufügen dass ich opfer polizeilicher Willkür geworden bin..... das schlimme ist allerdings, dass die Beamten Entscheidungen sehr schnell und voreilig treffen, wenn man dann aber gerichtlich dagegen vorgeht dauerts ewig bis was passiert. schlimm wenn man selbst Betroffener ist.

Hein J.
24.09.2011 17:43
Gast
Ich habe mit der Polizei bisher keine Probleme gehabt, im Gegentei. Aber nicht deshalb finde solche Artikel tendenziös und verantwortungslos, sondern weil hier der Versuch unternommen wird, mit zwei oder drei Fällen den Eindruck zu erwecken, die ganze Polizei tauge nichts.
Hat sich die Verfasserin schonmal jemand gefragt, wieviel Einsätze täglich bundesweit gefahren werden, in denen Polizisten ständig um Leib und Leben fürchten müssen, weil es immer mehr jugendliche Chaoten gibt, die vor der Polizei keinerlei REspekt mehr haben und gegen Beamte mit Gewalt vorgehen, weil sie kaum spürbare Konsequenzen zu befürchten haben?
Aber so einen Mist liest man heute leider täglich überall.

An ocean Of stars
24.09.2011 18:04
reg. Mitglied
entweder sind die bullen überfordert in ihrem job oder es ist einfach nurarroganz was sie an den tag legen....vllt auch beides ..man weiss es nicht...

P Z
24.09.2011 18:26
reg. Mitglied
Enriquez, ich glaube du verdrehst da ein wenig die Tatsachen. Klar haben es die Beamten nicht einfach, aber es ist ihr Job in gewissen Angelegenheiten Ruhe zu bewahren. Und das ein Beamter einen 15-jährigen mit dem Kopf gegen die Wand klatscht etc. wurde auf der Polizeischule bestimmt nicht so gelehrt. Dann kommt der kleine Scheißer halt in die Zelle, bis er wieder bei klarem Verstand ist, aber doch nicht so. Ich will nicht abstreiten, dass der Großteil der Beamten ihren Job ordentlich macht, aber es wird immer schwarze Schafe geben und die gilt es zu beseitigen. In diesem Sinne, erst denken dann reden bzw. schreiben Wir waren alle nicht dabei und können uns eigentlich sowie so kein Urteil erlauben, bezüglich dieses Artikels. Aus Erfahrung weis ich aber, dass es genug Beamte gibt, die ihr Amt einfach nur missbrauchen und diese Leute haben bei der Polizei nichts zu suchen.

Adinuf
24.09.2011 18:40
reg. Mitglied
Ich denke nicht dass hier Mist geschrieben wird....sicher muß man beide Seiten der Medallie betrachten...zufällig bin ich aber auch Beamter, allerdings in einem anderen Sektor. Wenn bei uns so schlampig gearbeitet würde wie die Polizei das teilweise tut (wie gesagt, eigene Erfahrungen) dann wäre ich schön lange kein Beamter mehr.
Ich hatte vor einiger Zeit auch gedacht dass bei der Polizei nicht alles gut läuft aber die nen guten Job machen, aber eigene Erfahrungen haben mich etwas besseres gelehrt.
Aber solche Sachen wie Strafvereitelung im Amt wird in meinen Augen leider viel zu selten angezeigt...dann würde sich auch was ändern, aber das ist ja nicht gewollt weil das Gesamtsystem funktioniert.
Auf den einzelnen wird eben wenig Rücksicht genommen, Die Erfahrung habe ich und viele andere leider machen müssen.

Mr M.
25.09.2011 07:37
Gast
ich hab die lösung für euch muttisöhnchen:

wenn die bullen zu ner schlägerei gerufen werden und 15 jährige mit 1,1promille erwischen
(die mutter soll ohne konsequenzen, wegen verletzung der aufsichtspflicht davon gekommen? kaum zu glauben...)
dann sollen die nichts tun und sich die idioten halt prügeln lassen.
bullen sind keine erzieher. wie es in den wald schallt, so schallts auch raus.
wenn es besoffene halbstarke gibt, die der meinung sind, anwohner zu belästigen, dann sollen sie halt weiter die anwohner belästigen. sollen sich die anwohner doch um die vollidioten kümmern und nicht die bullerei damit belästigen.
meine fresse, ich weiß gar nicht, was ihr habt.

bin ich freundlich zu nem bullen, ist er auch freundlich zu mir.
mache ich das, was der bulle von mir will, gibts auch keine probleme.


nur weil ihr eine meinung haben dürft, heißt das nicht, dass ihr auch eine haben müsst.
über was hier so "berichtet" wird is ja armseelig...eine nation wie deutschland endet wohl auch in so ner verschwörungsirritierten gesellschaft wie die amis...

warum berichtet ihr nicht mal über den beschiss bei baufirmen oder internetanbietern? warum regt ihr euch nicht mal über steineschmeißendes pack auf, das mein auto anzündet!?
nee, da wird die einzige institution in den dreck gezogen, die gegen solche idioten noch was machen kann - korrigiere, wohl nicht mehr machen darf.
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