E-Mail-Kontrolle beim Discounter

City- & Szenenews

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E-Mails von Netto-Mitarbeitern massenhaft ausgespäht (Foto: pixelio.de, Rainer Sturm)
22.04.2011

Wie jetzt bekannt wurde, hat der Discounter Netto E-Mails seiner Mitarbeiter gelesen und ausgewertet. Die Verfasser der Mails waren ahnungslos.

Ein neuer Arbeitsrechtsvorfall sorgt für Aufsehen bei Deutschlands drittgrößtem Discounter Netto. Einer aktuellen Recherche der WirtschaftsWoche zufolge soll das Unternehmen bereits seit Oktober 2010 Tausende E-Mails seiner Mitarbeiter gelesen und ausgewertet haben – zunächst ohne, dass diese davon Kenntnis hatten. Konkret sollen bis November alle Nachrichten, die auf ausgewählten E-Mail-Konten von Netto-Verkaufsleitern eingingen, automatisch an die Zentrale weitergeleitet und dort ausgewertet worden sein.

Verkaufsleiter informiert

"Wenn die E-Mails im Rahmen des bestehenden Dienstverhältnisses der Mitarbeiter zu ihren Verkaufsleitern weitergeleitet und später ausgewertet worden sind, liegt darin rein rechtlich gesehen kein strafrechtlicher Tatbestand", unterstreicht Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, im Gespräch mit pressetext. Um spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden, hätte das Unternehmen diese Aktion jedoch mit dem Betriebsrat abstimmen können, kommentiert der Rechtsexperte die Vorgänge.

Die Vorgehensweise Nettos ist aus rechtlicher Sicht zwar legitim, ob sie jedoch auch einem produktiven Arbeitsklima beiträgt, bleibt fraglich. Denn nachdem die E-Mails erfolgreich an die Zentrale weitergeleitet worden waren, wurden sie statistisch sowie inhaltlich systematisch ausgewertet und die Ergebnisse einer Reihe von Führungskräften in der Netto "Region Süd" präsentiert. Auch in diesem Jahr wurde diese Praxis fortgeführt. Dem Bericht nach wurden im Januar und Februar insgesamt 15 Verkaufsleiter in die E-Mail-Kontrolle einbezogen.

Netto ist sich keiner Schuld bewusst

Wenngleich die betreffenden Netto-Verkaufsleiter 2011 in die Analyse einbezogen gewesen waren und der Weiterleitung zugestimmt haben sollen, bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn die Verfasser der E-Mails an diese Verkaufsleiter wussten von der automatischen Weiterleitung in der Regel nichts oder wurden erst im Nachhinein darüber informiert. Netto ist sich keiner Schuld bewusst. Der Konzern bestätigt die Weiterleitung der E-Mails an die Zentrale. Dies sei unter "Einhaltung der gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Vorgaben" erfolgt.

8pte/pb)

25
Kommentare insgesamt

Frank W.
23.04.2011 01:11
Gast
Der gläserne Bürger geht weiter... Nciht neues udn unerwartetes, aber trotzdem genauso fragwürdig..

Mathias B.
23.04.2011 01:31
Gast
Totales NoGo sowas. Hoffentlich werden bald mal ein paar neue Gesetze verabschiedet. Immer dieses Schlupflochgesuche. Geht mir sowas von auf dem Brenner

Jan S.
23.04.2011 07:23
reg. Mitglied
Netto darf alles... Netto darf auch 4 Stunden-Kräfte 5 Std. zwangsweise arbeiten lassen, aber nur trotzdem nur 4 Std. bezahlen und die Differenz vom Staat ausgleichen lassen und somit den Staat und den Steuerzahler betrügen...

Dying L.
23.04.2011 09:52
Gast
Warum regt man sich darüber eigentlich auf?

Es ist eine dienstliche Emailadresse, von der die Rede ist und die dürfen nicht privat genutzt werden. Der Arbeitgeber hat natürlich die Möglichkeit das zu überwachen.

Das Argument, dass man darüber informiert werden müsse ist schlicht falsch. Jeder, der seinen Arbeitsvertrag mal richtig gelesen hat, der weiß darüber auch bescheid, dass dieses geschehen kann. (vom Allgemeinwissen mal abgesehen, welche Möglichkeiten der Arbeitgeber hat)

Für die, die jetzt glauben, dass ich es gutheiße: Nein. Trotzdem kann ich es verstehen. Es kommt immer auf den Standpunkt an.

Robert F.
23.04.2011 12:11
reg. Mitglied
Das Argument, dass man darüber informiert werden müsse ist schlicht falsch. Jeder, der seinen Arbeitsvertrag mal richtig gelesen hat, der weiß darüber auch bescheid, dass dieses geschehen kann. (vom Allgemeinwissen mal abgesehen, welche Möglichkeiten der Arbeitgeber hat)

Falsch! Nur weil etwas vertraglich festgelegt wurde muss es keine rechtliche Gültigkeit besitzen. Das Vertragsrecht steht nicht über der Gesetzgebung.

  ?.
23.04.2011 15:07
Gast
und jetzt rennen wieder alle zu lidl und aldi oder was? und beim nächsten mal sind die dann wieder die Buh-Männer.
Alle Discounter haben dreck am stecken der eine mehr der andere weniger.
Kauft lieber im Bioladen oder pflanzt euer eigenes Gemüse

Laso26
23.04.2011 17:17
reg. Mitglied
DDR Stasi anno 2011 ... soweit mußte es kommen... Arbeitnehmer ohne Recht !
Taugen nur zum Verheizen... es geht gar nich mehr.

Immer wieder fallen solche Läden wie lidl netto und co auf...

MEIDEN DIESE LÄDEN ALS KUNDE !!!
sorry für Belegschaft... geht aber nicht mehr anders

Laso26
23.04.2011 17:24
reg. Mitglied
Durch all diese Methoden fallen diese sogenannten Discounter auf...drangsalieren schon die Lieferanten, es endet letztlich in der Kette des Arbeitnehmers... ZUFALL WOHL KAUM

Mathias B.
23.04.2011 18:12
Gast
Bin ganz deiner Meinung Laso26

Laso26
23.04.2011 21:15
reg. Mitglied
danke... wenigstens die HAARLOSEN sind sich einig !
aber ist doch wirklich wahr, wie tief soll das hier noch alles sinken !!!
das is keine freie Demokratie mehr... spitzelei auf Arbeit
na super... schönen Dank
25
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