Al Jazeera: Keine Hetze gegen die USA

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Al Jazeera: Nicht per se anti-amerikanisch (Foto: FlickrCC/Goblinbox)
25.05.2011

Die führenden Fernsehsender im arabischen Raum sind nach neuen Forschungsergebnissen keineswegs reine Propagandasender, die antiamerikanisches oder antiwestliches Gedankengut verbreiten. Stattdessen ist die Medienwirkung auch im Nahen Osten vor allem vom Zuschauer abhängig.

TV-Netzwerke des arabischen Raums wie etwa Al Jazeera oder Al Arabiya wecken nicht automatisch Ressentiments gegen die USA, wie es im Westen oft dargestellt wird. Zu diesem Schluss kommen Kommunikationswissenschaftler der Ohio State Universität in der Zeitschrift "Communication Research". "Bei manchen Zusehern verstärken die Sender antiamerikanische Haltungen, bei manchen lösen sie das Gegenteil aus. Es kommt allein auf die politische Identität des Zusehers an, ob und inwiefern TV-Netzwerke die US-Haltung beeinflussen", resümiert Studienautor Erik Nisbet.

Identität bestimmt Wirkung

Die Forscher werteten Daten zu 20.000 Menschen aus Saudi-Arabien, Ägypten, Marokko, Jordanien, dem Libanon und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Außer nach demografischen Daten waren sie nach der politischen Identität, nach der Haltung gegenüber den USA und auch nach ihrer Mediennutzung befragt worden. Wie dabei deutlich wurde, sind Al Jazeera und Al Arabiya die beiden populärsten überstaatlichen Fernsehsender. Ihr Eindruck bei den Zusehern hängt jedoch ganz davon ab, ob diese sich selbst als arabische Nationalisten, als muslimische Nationalisten oder primär als Angehörige des eigenen Landes sehen.

Bei arabischen Nationalisten, die neun Prozent der Befragten ausmachten, verstärkt Al Jazeera eine Haltung gegen die USA, während Al Arabiya keine Auswirkungen hat. Muslimische Nationalisten - 28 Prozent der Befragten - hegen tendenziell negative Gefühle gegen den Westen, egal wie viel Zeit sie dem Medium Fernsehen widmen. Doch es zeigte sich, wer sich zuerst mit seinem eigenen Nationalstaat identifiziert, ist umso freundlicher gegenüber den USA gestimmt, je mehr er Al Jazeera sieht. Bei den über 40 Prozent der Gruppe mit gemischter Identität war kein klarer Zusammenhang zu finden.

Kritik an der US-Kritik

"Im Westen hat man übersteigerte Erwartungen an die Medienwirkung schon in den 60er-Jahren aufgegeben - denn das Publikum sucht in der Regel nach den Inhalten, die eigene Voreinstellungen verstärken. Für Schwellen- und Drittweltländer hielten sich Vorstellungen massiver Einwirkungen der Bevölkerungsmeinung durch die Medien jedoch hartnäckig. Erst durch derartige Forschungen gelingt es, diese auch wissenschaftlich zu revidieren", erklärt Carola Richter, Kommunikationswissenschaftlerin an der FU Berlin, gegenüber pressetext.

Während Al Arabiya eher wirtschaftlich ausgerichtet ist, hat man im Westen den Sender Al Jazeera besonders seit Beginn der zweiten Intifada 2000 oft als antiamerikanisch bezeichnet. Für die Nahost-Expertin Richter ist dieser Vorwurf absurd. "Die US-Politik mit ihren unterschiedlichen ideologischen Ausprägungen war bei Al Jazeera stets massiv präsent. Was von Amerika als antiamerikanisch empfunden wurde, ist vor allem die Darstellung der von den USA nicht erwünschten Bilder sowie auch antiamerikanischer Äußerungen rund um die jüngsten Kriege der USA. Diese können sehr wohl bestehende Voreinstellungen verstärken."

2011: Westen korrigiert seine Meinung

Die jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt seit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten haben das Bild des Westens über den Sender allerdings in ein anderes Licht gerückt, so Richter. "Der Westen korrigierte jüngst sein Bild vom antiwestlichen Al-Jazeera. Denn man erlebte, dass der Sender in seiner Berichterstattung scheinbar dieselben Standpunkte vertritt wie Europa und die USA." Im arabischen Raum hätte sich die Position des Senders jedoch kaum geändert - war er doch schon zuvor stark präsent.

(pte/pb)

2
Kommentare insgesamt

Sebastian O.
26.05.2011 00:03
reg. Mitglied
Was keine Hetze? Wieso nicht?
Tot den Amerikanern!
Erst die Nazi Mondbasis kaputmachen, dann die Zeitmaschiene der DDR beschlagnahmen und dann auch noch wundern? Hmmm

Mr P.
26.05.2011 09:36
Gast
oh man, dafür brauchen die ne studie. wie wäre es mal mit sender gucken, anstatt leute zu befragen. aber is typisch für amerika. um den eigenen ruf zu heben wird ne "studie" gemacht um die eigene hetze klein zu reden
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