Männer, haltet Eure Chefsessel fest! Frauen auf der Überholspur
City- & Szenenews
12.03.2008
Zwei Wochen vor dem internationalen Frauentag brachten die Macher vom Spiegel ihr erstes Spiegel Special 2008 heraus. Das Heft mit dem Titel „Das starke Geschlecht – Was Frauen erfolgreich macht“ kündigt eine neue Frauenbewegung an. Diese sei dringend nötig und schon unterwegs, sagen die Autoren.
Der neue Feminismus
Im Jahr 2008, in dem Frauen noch immer pro Stunde durchschnittlich 22% weniger Lohn als Männer bekommen, bezeichnen sich gerade junge Frauen wieder gern und vollkommen ungeniert als „Feministinnen“. Moderatorin und Autorin Charlotte Roche macht es beispielhaft vor.
Nach der ersten Feminismuswelle um 1900 und der zweiten in den 70er Jahren gibt es derzeit zum dritten Mal einen bemerkenswerten Ruck in der Gesellschaft. In den USA und in Großbritannien spreche man schon vom „third wave feminism“. Dieser schwappe nun auch nach Deutschland.
Jedoch unterscheidet sich der neue Feminismus ganz entscheidend von der Bewegung der 70er Jahre, deren wohl berühmtestes Kind Alice Schwarzer ist: Die Frauen von heute setzen weitaus mehr auf Pragmatismus statt Ideologie. Ebenfalls neu ist die Auffassung, dass „nicht die Männer die Feinde sind, sondern die gesellschaftlichen Strukturen“.
Die „gläserne Decke“
Als Wortführerin gilt heute Thea Dorn, die mit ihrem Buch „Die F-Klasse“ ein Schlagwort für die neue Bewegung lieferte. Die 37-Jährige hat sich auch mit dem Phänomen der „gläsernen Decke“ beschäftigt. Mit dieser Metapher bezeichnen Sozialforscher die Tatsache, dass Frauen in ihrem beruflichen Aufstieg ab einem bestimmten Punkt gehemmt sind. Die gläserne Decke – man sieht sie nicht, aber man spürt sie.
Deutlich lässt sich dieses Phänomen in der Wissenschaft erkennen: In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich sind Frauen derart unterrepräsentiert. Und das trotz der Tatsache, dass heute mehr als die Hälfte (51,4%) der Hochschulabsolventen weiblich sind. Auch mehr als die Hälfte der Absolventen in den Fächern Medizin, Jura, Biologie und selbst Mathematik sind Frauen. Zudem brauchen Studentinnen quer durch alle Fachrichtungen bei gleichen Abschlussnoten weniger Semester und absolvieren mehr Praktika und Auslandssemester.
Trotzdem schwindet der Frauenanteil von Stufe zu Stufe auf der Karriereleiter. Spiegel-Autor Joachim Mohr: „Unter den Promotionen finden sich noch 39,5 Prozent Frauen, bei den Habilitationen geht ihr Anteil schon auf 23 Prozent zurück. Von den Professorenstellen in Deutschland sind wiederum nur 14,9 Prozent mit Wissenschaftlerinnen besetzt, von den besonders hochrangigen Lehrstuhlinhabern sind nur circa 9 Prozent weiblich.“
Es fehlen Vorbilder und Mut
In den Chefetagen großer Unternehmen sieht es ganz ähnlich aus: Die Vorstandsmitglieder sind noch immer fast ausschließlich Männer. Die Ursachen für die Abwesenheit der Frauen in den obersten Rängen sehen die Spiegel-Macher vor allem in mangelnder Kinderversorgung und der Tatsache, dass Männer meist Männer rekrutieren. Dies sei ganz natürlich - Männer wählen Altbekanntes aus Angst vor einem zu großen Risiko. Zudem mangelt es jungen Frauen schlichtweg an Vorbildern - Wie soll eine junge Studentin sich in den Kopf setzen, Professorin zu werden, wenn sie kaum je ein erfolgreiches Exemplar vor sich hat?
Studien belegen: Mit Frauen läuft es besser
Vielleicht ändert sich in Zukunft dank einhelliger Studien etwas an dieser Verteilung der Spitzenpositionen. Sowohl die US-amerikanischen Frauenorganisation Catalyst als auch die Unternehmensberatung McKinsey belegen mit ihren Erhebungen, „dass gemischte Führungsgremien sowohl wirtschaftlich als auch von der Unternehmenskultur her erfolgreicher sind. Von den 500 größten börsennotierten Firmen der USA erzielen jene mit wenig Frauen im Vorstand im Vergleich zu solchen ohne Frauen eine um durchschnittlich 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite“.
Mit gutem Beispiel geht Microsoft Deutschland voran: Geschäftsführer Achim Berg hat sein Unternehmen zum absoluten „Novum in der deutschen Firmenlandschaft“ gemacht. In seinem 14-köpfigen Führungsteam arbeiten immerhin fünf Frauen.
Zwei Wochen vor dem internationalen Frauentag brachten die Macher vom Spiegel ihr erstes Spiegel Special 2008 heraus. Das Heft mit dem Titel „Das starke Geschlecht – Was Frauen erfolgreich macht“ kündigt eine neue Frauenbewegung an. Diese sei dringend nötig und schon unterwegs, sagen die Autoren.
Der neue Feminismus
Im Jahr 2008, in dem Frauen noch immer pro Stunde durchschnittlich 22% weniger Lohn als Männer bekommen, bezeichnen sich gerade junge Frauen wieder gern und vollkommen ungeniert als „Feministinnen“. Moderatorin und Autorin Charlotte Roche macht es beispielhaft vor.
Nach der ersten Feminismuswelle um 1900 und der zweiten in den 70er Jahren gibt es derzeit zum dritten Mal einen bemerkenswerten Ruck in der Gesellschaft. In den USA und in Großbritannien spreche man schon vom „third wave feminism“. Dieser schwappe nun auch nach Deutschland.
Jedoch unterscheidet sich der neue Feminismus ganz entscheidend von der Bewegung der 70er Jahre, deren wohl berühmtestes Kind Alice Schwarzer ist: Die Frauen von heute setzen weitaus mehr auf Pragmatismus statt Ideologie. Ebenfalls neu ist die Auffassung, dass „nicht die Männer die Feinde sind, sondern die gesellschaftlichen Strukturen“.
Die „gläserne Decke“
Als Wortführerin gilt heute Thea Dorn, die mit ihrem Buch „Die F-Klasse“ ein Schlagwort für die neue Bewegung lieferte. Die 37-Jährige hat sich auch mit dem Phänomen der „gläsernen Decke“ beschäftigt. Mit dieser Metapher bezeichnen Sozialforscher die Tatsache, dass Frauen in ihrem beruflichen Aufstieg ab einem bestimmten Punkt gehemmt sind. Die gläserne Decke – man sieht sie nicht, aber man spürt sie.
Deutlich lässt sich dieses Phänomen in der Wissenschaft erkennen: In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich sind Frauen derart unterrepräsentiert. Und das trotz der Tatsache, dass heute mehr als die Hälfte (51,4%) der Hochschulabsolventen weiblich sind. Auch mehr als die Hälfte der Absolventen in den Fächern Medizin, Jura, Biologie und selbst Mathematik sind Frauen. Zudem brauchen Studentinnen quer durch alle Fachrichtungen bei gleichen Abschlussnoten weniger Semester und absolvieren mehr Praktika und Auslandssemester.
Trotzdem schwindet der Frauenanteil von Stufe zu Stufe auf der Karriereleiter. Spiegel-Autor Joachim Mohr: „Unter den Promotionen finden sich noch 39,5 Prozent Frauen, bei den Habilitationen geht ihr Anteil schon auf 23 Prozent zurück. Von den Professorenstellen in Deutschland sind wiederum nur 14,9 Prozent mit Wissenschaftlerinnen besetzt, von den besonders hochrangigen Lehrstuhlinhabern sind nur circa 9 Prozent weiblich.“
Es fehlen Vorbilder und Mut
In den Chefetagen großer Unternehmen sieht es ganz ähnlich aus: Die Vorstandsmitglieder sind noch immer fast ausschließlich Männer. Die Ursachen für die Abwesenheit der Frauen in den obersten Rängen sehen die Spiegel-Macher vor allem in mangelnder Kinderversorgung und der Tatsache, dass Männer meist Männer rekrutieren. Dies sei ganz natürlich - Männer wählen Altbekanntes aus Angst vor einem zu großen Risiko. Zudem mangelt es jungen Frauen schlichtweg an Vorbildern - Wie soll eine junge Studentin sich in den Kopf setzen, Professorin zu werden, wenn sie kaum je ein erfolgreiches Exemplar vor sich hat?
Studien belegen: Mit Frauen läuft es besser
Vielleicht ändert sich in Zukunft dank einhelliger Studien etwas an dieser Verteilung der Spitzenpositionen. Sowohl die US-amerikanischen Frauenorganisation Catalyst als auch die Unternehmensberatung McKinsey belegen mit ihren Erhebungen, „dass gemischte Führungsgremien sowohl wirtschaftlich als auch von der Unternehmenskultur her erfolgreicher sind. Von den 500 größten börsennotierten Firmen der USA erzielen jene mit wenig Frauen im Vorstand im Vergleich zu solchen ohne Frauen eine um durchschnittlich 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite“.
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