“Guck mal da, der Penner!” - Obdachlosigkeit in Deutschland
City- & Szenenews
Obdachloser durchsucht Müll - Bild © Anne Kitzmann
28.02.2008
Man nennt sie Penner, Assis oder Berber. Obdachlose, sie sind der äußerste Rand unserer Wohlstandsgesellschaft und konfrontieren uns immer wieder mit einer Realität, die mit dem Alltag der wenigsten etwas zu tun hat. Offizielle Studien oder Statistiken seitens Regierungsbehörden gibt es jedoch nicht. Die freiwillige Initiative Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) in Bielefeld gibt jedoch Schätzungen ab, nach denen sich ca. 350.000 (Stand 2004) ohne Wohnung befinden. Davon leben etwa 20.000 ohne Unterkunft auf der Straße, darunter 9.000 Kinder. Nach Angaben der BAGW sind zwischen 1990 und 2004 von den „auf Platte“ lebenden Menschen mindestens 225 erfroren und weitere 107 von vorwiegend jugendlichen Tätern getötet worden. Die Dunkelziffer liegt in der Regel höher.
Steigende Zahl an Streetkids
Die Entwicklung der Obdachlosigkeit unter Kindern und Jugendlichen ist besonders bemerkenswert, da die allgemeine Zahl der Wohnungslosen seit Jahren sinkt. Seit 1995 hat sich ihre Zahl laut BAGW um zwei Drittel verringert. Entgegen dieser positiven Tendenzen steigt hingegen die Zahl junger Obdachloser zwischen 18 und 25 Jahren. "Das ist die einzige wachsende Gruppe", warnt Werena Rosenke, stellvertretende Geschäftsführerin der Wohnungslosenhilfe. "Hartz IV wird das Problem weiter verschärfen", meint Rosenke. Initiativen wie das Berliner Streetwork-Projekt „Drugstop“ leisten in diesem Bereich wertvolle Arbeit. Mit ihrem Transporter verteilen die Sozialpädagogen und Helfer warme Mahlzeiten an die Jugendlichen, leisten medizinische Hilfe und sozialen Beistand.
"Wir versuchen, sie aus der Szene zu lösen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen", meint Sozialpädagoge Vick. Dies ist jedoch keine einfache Mission - Misserfolge und Enttäuschungen gehören häufig zum Alltag der Streetworker. Nur etwa 60 von 500 angesprochenen Berliner Straßenkindern lassen sich überhaupt von den Streetworkern betreuen. "Das Leben auf der Straße bietet ihnen eine scheinbar faszinierende Freiheit", so der Sozialpädagoge. "Die meisten obdachlosen Kids sind mit familiärer Gewalt aufgewachsen."
Wege in die Obdachlosigkeit
Obdachlosigkeit kann heute beinahe jeden treffen. Private Insolvenz, Scheidung oder anders gewachsene Schuldenberge können Gründe für den persönlichen Ruin und Verlust von sozialem Halt sein. Doch auch das Aufwachsen in Heimen, in denen kein intaktes Familienleben existiert oder dissoziale Verhältnisse in der Familie können Ursachen für den Fall durch das soziale Netz sein.
Obdachlose tragen an ihrem Schicksal selten die alleinige Verantwortung, denn in der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um das Resultat tragischer Verkettungen. Ein Großteil der Wohnungslosen leidet an Krankheiten die eine Reintegration in das bürgerliche Leben erschweren. Die häufigsten Erkrankungen sind psychischer Art, wie Depressionen oder im Suchtbereich Alkoholismus, Drogenkonsum und Spielsucht. Viele haben Schulden in mehrstelliger Höhe. Folgen sind ein stetiges Abdriften in die Vereinsamung und Verwahrlosung, manchmal bis hin zum Suizid.
Rückschritte in Deutschland
Die Situation in Deutschland hat sich seit 2006 für Obdachlose und sozial Schwache deutlich verschärft. Die BAGW fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, wie in Frankreich, das Recht auf Wohnen in der Verfassung zu verankern. “Es ist eines modernen Sozialstaats unwürdig, dass Menschen von dem Verlust ihrer Wohnung bedroht sind, wenn sie ihre Miete nicht mehr bezahlen können”, sagte Dr. Thomas Specht-Kittler.
Obdach- und Arbeitslosigkeit sind Teufelskreise, aus dem die Betroffenen kaum herauskommen können. Seit 2007 können Sanktionen gegenüber ALG2-Empfängern schneller angewendet werden. Bereits nach der zweiten “Pflichtverletzung” kann der Regelsatz um 60 % gekürzt werden und auch Heizungs- und Unterkunftskosten kann dies betreffen. Hat man erst einmal die Wohnung verloren, ist es fast unmöglich wieder eine Arbeit zu finden. Wohnungslose Menschen, die in Wohnheimen leben, werden außerdem pauschal von Leistungen zur Beschäftigungsförderung ausgeschlossen. Bleibt die Frage, wieviele Menschen seit der Einführung von Hartz 4 bereits ihre Wohnung verloren haben? Die Regierung kann dazu keine Angaben machen.
Man nennt sie Penner, Assis oder Berber. Obdachlose, sie sind der äußerste Rand unserer Wohlstandsgesellschaft und konfrontieren uns immer wieder mit einer Realität, die mit dem Alltag der wenigsten etwas zu tun hat. Offizielle Studien oder Statistiken seitens Regierungsbehörden gibt es jedoch nicht. Die freiwillige Initiative Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) in Bielefeld gibt jedoch Schätzungen ab, nach denen sich ca. 350.000 (Stand 2004) ohne Wohnung befinden. Davon leben etwa 20.000 ohne Unterkunft auf der Straße, darunter 9.000 Kinder. Nach Angaben der BAGW sind zwischen 1990 und 2004 von den „auf Platte“ lebenden Menschen mindestens 225 erfroren und weitere 107 von vorwiegend jugendlichen Tätern getötet worden. Die Dunkelziffer liegt in der Regel höher.
Steigende Zahl an Streetkids
Die Entwicklung der Obdachlosigkeit unter Kindern und Jugendlichen ist besonders bemerkenswert, da die allgemeine Zahl der Wohnungslosen seit Jahren sinkt. Seit 1995 hat sich ihre Zahl laut BAGW um zwei Drittel verringert. Entgegen dieser positiven Tendenzen steigt hingegen die Zahl junger Obdachloser zwischen 18 und 25 Jahren. "Das ist die einzige wachsende Gruppe", warnt Werena Rosenke, stellvertretende Geschäftsführerin der Wohnungslosenhilfe. "Hartz IV wird das Problem weiter verschärfen", meint Rosenke. Initiativen wie das Berliner Streetwork-Projekt „Drugstop“ leisten in diesem Bereich wertvolle Arbeit. Mit ihrem Transporter verteilen die Sozialpädagogen und Helfer warme Mahlzeiten an die Jugendlichen, leisten medizinische Hilfe und sozialen Beistand.
"Wir versuchen, sie aus der Szene zu lösen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen", meint Sozialpädagoge Vick. Dies ist jedoch keine einfache Mission - Misserfolge und Enttäuschungen gehören häufig zum Alltag der Streetworker. Nur etwa 60 von 500 angesprochenen Berliner Straßenkindern lassen sich überhaupt von den Streetworkern betreuen. "Das Leben auf der Straße bietet ihnen eine scheinbar faszinierende Freiheit", so der Sozialpädagoge. "Die meisten obdachlosen Kids sind mit familiärer Gewalt aufgewachsen."
Wege in die Obdachlosigkeit
Obdachlosigkeit kann heute beinahe jeden treffen. Private Insolvenz, Scheidung oder anders gewachsene Schuldenberge können Gründe für den persönlichen Ruin und Verlust von sozialem Halt sein. Doch auch das Aufwachsen in Heimen, in denen kein intaktes Familienleben existiert oder dissoziale Verhältnisse in der Familie können Ursachen für den Fall durch das soziale Netz sein.
Obdachlose tragen an ihrem Schicksal selten die alleinige Verantwortung, denn in der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um das Resultat tragischer Verkettungen. Ein Großteil der Wohnungslosen leidet an Krankheiten die eine Reintegration in das bürgerliche Leben erschweren. Die häufigsten Erkrankungen sind psychischer Art, wie Depressionen oder im Suchtbereich Alkoholismus, Drogenkonsum und Spielsucht. Viele haben Schulden in mehrstelliger Höhe. Folgen sind ein stetiges Abdriften in die Vereinsamung und Verwahrlosung, manchmal bis hin zum Suizid.
Rückschritte in Deutschland
Die Situation in Deutschland hat sich seit 2006 für Obdachlose und sozial Schwache deutlich verschärft. Die BAGW fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, wie in Frankreich, das Recht auf Wohnen in der Verfassung zu verankern. “Es ist eines modernen Sozialstaats unwürdig, dass Menschen von dem Verlust ihrer Wohnung bedroht sind, wenn sie ihre Miete nicht mehr bezahlen können”, sagte Dr. Thomas Specht-Kittler.
Obdach- und Arbeitslosigkeit sind Teufelskreise, aus dem die Betroffenen kaum herauskommen können. Seit 2007 können Sanktionen gegenüber ALG2-Empfängern schneller angewendet werden. Bereits nach der zweiten “Pflichtverletzung” kann der Regelsatz um 60 % gekürzt werden und auch Heizungs- und Unterkunftskosten kann dies betreffen. Hat man erst einmal die Wohnung verloren, ist es fast unmöglich wieder eine Arbeit zu finden. Wohnungslose Menschen, die in Wohnheimen leben, werden außerdem pauschal von Leistungen zur Beschäftigungsförderung ausgeschlossen. Bleibt die Frage, wieviele Menschen seit der Einführung von Hartz 4 bereits ihre Wohnung verloren haben? Die Regierung kann dazu keine Angaben machen.
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